Bamherzigkeitssonntag

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Aktuelle Informationen aus dem Seelsorgebereich Deutz/Poll

2. Sonntag der Osterzeit
Barmherzigkeitssonntag
11./12.04.2026
1. Les: Apg 2,42-47
2. Les: 1 Petr 1,3-9
Ev: Joh 20,19-31

Stichwort „Wunden“

In vielen Ostergeschichten erkennen die verunsicherten Jünger den Auferstandenen am Klang seiner Stimme oder beim Brechen des Brotes. Mich hat getroffen, dass es im heutigen Evangelium die Wunden Jesu sind, die für den Apostel Thomas die entscheidenden Erkennungsmerkmale Jesu sind.

Die Zeit heilt alle Wunden.

Häufig Voltaire zugeschrieben.

Die Zeit vermag Wunden zu heilen,

aber sie ist eine miserable Kosmetikerin.

Mark Twain

 

Die Narben vergolden

Sehr berührend ist die Geschichte von Juliane Klüß. Mit 16 Jahren wurde sie bei der Explosion der Heizungsanlage in ihrem Haus schwer verletzt. Mit schweren Verbrennungen an Oberkörper und Armen lag sie dreieinhalb Wochen im Krankenhaus. Sie kämpfte sich zurück ins Leben, hasste es jedoch, wegen ihrer großflächigen Narben angestarrt zu werden. Zum Selbstschutz habe sie sich eine gewisse Härte zugelegt, erzählt sie in der ZDF-Streamingserie „Die letzte Bank“. Knapp zwanzig Jahre später schlug eine Freundin – wie Juliane ebenfalls Fotografin – ihr vor, ihre Narben zu vergolden. Tatsächlich hat sie Goldstaub auf ihren vernarbten Oberkörper und die Arme getupft und sich so von ihrer Freundin fotografieren lassen. Das Vergolden ihrer Wunden beschreibt sie als schmerzliche, aber auch heilsame Erfahrung. Sie konnte ihren Schmerz nochmal fühlen und die Trauer zulassen. Dadurch sei sie weicher und offenherziger geworden. Das Vergolden der Narben bedeute keine Schönfärberei von erfahrenem Leid, mache aber deutlich, dass die Wunden ein Teil von ihr seien. Melanie Wolfers, die das Interview mit Juliane Klüß führte, zeigte behutsam die Parallele zum auferstandenen Jesus. Auch er „zeigt seine Wunden in Frieden.“

Pfarrer Dr. Andreas Mersch