An der Quelle bleiben – Gott stillt unseren tiefsten Durst
Liebe Schwestern und Brüder,
die dritte Woche der Fastenzeit stellt uns unter ein starkes Bild:
den Durst. Die Lesungen aus Ex 17,3–7, Röm 5,1–2.5–8 und
Joh 4,5–42 begleiten uns durch diese ganze Woche und laden
uns ein, ehrlich auf unseren eigenen inneren Durst zu schauen.
Das Volk Israel erlebt in der Wüste eine Krise. Der Mangel an Wasser führt zu Unruhe, Vorwürfen und Zweifel: „Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?“ Diese Frage kennen auch wir. Sie taucht auf, wenn Sorgen uns bedrängen, wenn Beziehungen schwierig werden, wenn wir erschöpft sind oder nicht wissen, wie es weitergehen soll. Die Fastenzeit will uns helfen, mit solchen Erfahrungen nicht im Murren stehen zu bleiben, sondern sie im Vertrauen vor Gott zu bringen. Gott lässt Wasser aus dem Felsen fließen –
überraschend, rettend, lebensspendend.
Im Evangelium begegnet Jesus der samaritanischen Frau am Brunnen – mitten im Alltag. Er kennt ihre Geschichte, ihre Brüche, ihre Sehnsucht. Und er verurteilt sie nicht. Stattdessen weckt er
in ihr den Wunsch nach „lebendigem Wasser“, nach einem Leben aus der Tiefe Gottes. Auch wir tragen diesen Durst in uns: nach
Frieden, nach Angenommensein, nach Sinn. Oft versuchen wir,
ihn mit Aktivität, Ablenkung oder Leistung zu stillen – und bleiben doch innerlich leer.
Diese Woche kann für unsere Pfarrei eine bewusste Woche an der Quelle werden. Vielleicht nehmen wir uns täglich einige Minuten der Stille. Vielleicht suchen wir das persönliche Gebet, die Werktagsmesse oder eine Zeit der eucharistischen Anbetung. Vielleicht wagen wir ein klärendes Gespräch oder einen Schritt der Versöhnung. Aus der Begegnung mit Christus wächst neue Hoffnung.
Der Römerbrief erinnert uns: „Die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen.“
Unsere Hoffnung gründet nicht in perfekten Umständen, sondern in der Liebe Christi, der für uns da ist – gerade in unserer Schwachheit. Wer aus dieser Liebe lebt, wird selbst zur Quelle für andere.
Bleiben wir in dieser Fastenwoche bewusst an der Quelle, damit unser Glaube nicht austrocknet und unsere Gemeinde aus der Hoffnung lebt.
Lasst uns beten:
Herr Jesus Christus,
du Quelle lebendigen Wassers,
du kennst unseren Durst und unsere Fragen.
Erfrische unsere Herzen mit deiner Liebe,
stärke unsere Hoffnung
und begleite unsere Gemeinde durch diese Woche
auf dem Weg zu Ostern.
Ihr Kaplan Okoye