„Gebt ihr ihnen zu essen!“ (Mt 14,16)
Liebe Schwestern und Brüder,
manchmal fühlen wir uns wie die Jünger im heutigen Evangelium:
müde, überfordert und mit dem Eindruck, dass das, was wir haben,
niemals ausreichen wird. Fünf Brote und zwei Fische – was ist das
schon für so viele Menschen?
Doch genau dort beginnt das Wunder Gottes.
Jesus sieht nicht zuerst den Mangel. Er sieht die Menschen. Er sieht
ihren Hunger – nicht nur den Hunger des Magens, sondern auch den
Hunger nach Nähe, Trost, Hoffnung und Liebe. Und er lädt die Jünger
ein, sich nicht zurückzuziehen, sondern Verantwortung zu übernehmen:
„Gebt ihr ihnen zu essen!“
Dieses Wort gilt auch für uns als Gemeinde.
In einer Zeit, in der viele Menschen einsam sind, Sorgen um ihre
Zukunft haben oder sich nach einem offenen Ohr sehnen, fragt uns
Jesus nicht zuerst: „Wie viel habt ihr?“ Sondern: „Was bist du bereit zu
teilen?“ Ein freundliches Wort. Ein Anruf. Ein Besuch. Ein Gebet. Ein
wenig Zeit. Oft sind es gerade die kleinen Gaben, die Gott in etwas
Großes verwandelt.
Die Spiritualität, die uns durch diese Woche tragen kann, ist daher
eine Spiritualität des Vertrauens und des Teilens.
• Vertrauen, dass Gott auch aus wenig viel machen kann.
• Teilen, statt zu rechnen.
• Hinschauen, statt wegzusehen.
• Mitgefühl leben, wie Jesus es getan hat.
Wenn wir unsere „fünf Brote und zwei Fische“ in die Hände Jesu
legen, dann geschieht mehr, als wir erwarten. Das Evangelium endet
nicht mit Knappheit, sondern mit Fülle: Alle wurden satt, und es blieb
noch übrig.
Das ist die Botschaft dieses Sonntags: Bei Gott führt Großzügigkeit
nicht zum Verlust, sondern zur Fülle.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien eine gesegnete Woche – mit
offenen Augen für die Menschen neben uns, mit offenen Händen zum
Teilen und mit einem Herzen, das darauf vertraut, dass Christus auch
heute noch Hunger stillt.
Ihr Kaplan Chika Okoye