Dreifaltigkeitssonntag/10. Sonntag im Jahreskreis A

deutz-poll aktuell

Aktuelle Informationen aus dem Seelsorgebereich Deutz/Poll

Dreifaltigkeitssonntag
30./31.05.2026
1. Les: Ex 34,4b.5-6.8-9
2. Les: 2 Kor 13,11-13
Ev: Joh 3,16-18

10. Sonntag im Jahreskreis A
06./07.06.2026
1. Les: Hos 6,3–6
2. Les: Röm 4,18–25
Ev: Mt 9,9–13

Liebe Gemeindemitglieder,

Papst Leo XIV. hat am Pfingstmontag seine erste Enzyklika – einen
Brief an die Welt, ein Lehrschreiben – veröffentlicht: „Magnifica
Humanitas – die großartige Menschheit. Über die Bewahrung des
Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz“. Unterschrieben
wurde der Text am 15. Mai. Damit nimmt der Papst Bezug auf die
erste Sozial-Enzyklika seines Namensvorgängers Leo XIII., die am
15.5.1891 erschienen ist und „Rerum Novarum – von den neuen
Dingen“ heißt. Sie beschäftigte sich mit den gesellschaftlichen
Veränderungen durch die Industrialisierung. Nun also in unserer Zeit
eine neue Enzyklika, die auf tiefgreifende Veränderungen Bezug
nimmt und in dem Epochenumbruch unserer Zeit die Stimme des
christlichen Menschenbildes hörbar machen möchte.

Leo XIV. ist ein Mensch der Gegenwart, der die technischen und
digitalen Errungenschaften nutzt wie viele andere auch. Sein kritischer
Blick auf die KI ist nicht aus einer generellen Technik- oder
Fortschrittsfeindlichkeit gespeist. Er hebt hervor, dass Technik die
Entwicklung der Menschheit immer begleitet hat und die Lebensbedingungen
vieler Menschen grundlegend verbessern kann. Sein
Anliegen ist es, die Würde und die Einzigartigkeit des Menschen hervorzuheben,
zu einem Zeitpunkt, wo sich rund um die technologische
Entwicklung philosophische Strömungen herausbilden, die das
Menschsein als eine verbesserungswürdige Stufe des Daseins
betrachten, die durch Technik überwunden werden kann. Im Vergleich
mit KI, die nicht leidet und nicht altert, die immer weiter optimiert wird
und die in Nanosekunden komplexe Ergebnisse präsentiert, kann der
Mensch wie etwas Defizitäres wirken. Dem stellt der Papst gegenüber,
welche Eigenheiten des Menschseins nicht von Technik abgelöst
werden können und welchen unendlichen Wert jeder Mensch hat. Der
Mensch ist nicht nur eine Ansammlung von Daten, die weiterverwendet
werden können; nicht nur Konsument, dessen Verhalten berechnet
oder vom Algorithmus gesteuert werden kann. Der Mensch kann
etwas, was künstliche Intelligenz nicht erlernen kann: Erfahrungen
machen, einen Körper haben, in gegenseitiger Beziehung sein;
Freude, Liebe, Freundschaft, Familienleben und Verantwortung von
innen her erleben, staunen, eine Gottesbeziehung haben. Leo XIV.
ruft dazu auf, auch schwierige Lebensphasen als Ort der Weiterentwicklung
und des inneren Prozesses wertzuschätzen und die Fülle
des Lebens nicht in der eigenen Optimierung zu suchen. Der Mensch
ist vor Gott so viel mehr als die Summe seiner Leistung.

Die Enzyklika warnt deutlich vor Gefahren, wenn KI in Kriegen
angewendet wird und über Leben und Tod entscheidet. Auch die
Umweltbelastung durch die Unmengen an Energie und Wasser, die
für die große Rechenleistung der KI verbraucht werden, wird erwähnt.

Insgesamt lautet der Aufruf des Papstes: „Technik weiterentwickeln,
ohne das Herz dabei verkümmern zu lassen!“
(Magnifica Humanitas 126)

Maria Schwarz, Pastoralreferentin