29./30. Sonntag im Jahreskreis

deutz-poll aktuell

Aktuelle Informationen aus dem Seelsorgebereich Deutz/Poll

29. Sonntag im Jahreskreis
Hl. Lukas, Evangelist
17./18.10.2026
1. Les: Jes 45,1.4-6
2. Les: 1 Thess 1,1-5b
Ev: Mt 22,15-21

30. Sonntag im Jahreskreis
Weltmissionssonntag
24./25.10.2026
1. Les: Ex 22,20-26
2. Les: 1 Thess 1,5c-10
Ev: Mt 22,34-40

Liebe Gemeindemitglieder,

ein Junge schwänzt in der 10. Klasse die Schule, macht keine mittlere Reife, bekommt keine Ausbildung, macht ein FSJ und bekommt darüber Kontakt zu einem Betrieb, der ihm einen Ausbildungsplatz anbietet. Eine junge Frau entscheidet sich ohne Freude für einen sicheren Lehramts-Studiengang, hat immer wieder Zweifel daran und wechselt zu ihrem Wunsch-Studium – ihre Freundschaft zu einer Lehramts-Kommilitonin hält aber viele Jahre und wird ihr später im Leben durch eine tiefe Krise helfen. Wenn solche Geschichten bei uns am Küchentisch erzählt wurden, hieß es häufig: „Gott schreibt auf krummen Zeilen gerade.“

In der 1. Lesung dieses Sonntags deutet der Prophet Jesaja das Zeitgeschehen: Nach 50 Jahren des Volkes Israel im babylonischen Exil – der Staat zerstört, der Tempel brachliegend, die Menschen verunsichert – wendet sich das Blatt der Weltgeschichte: Die Perser besiegen die Babylonier und erlauben die Rückkehr der Exilierten in ihre Länder und den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem.

Jesaja deutet das Auftreten des Perserkönigs Kyros als göttliches Eingreifen: Durch diesen nicht-jüdischen König führt Gott die Israeliten zurück, durch ihn, den Heiden, wirkt Gott in der Geschichte. Schon seit langer Zeit also deuten Menschen ihr Leben und historische Ereignisse auch unter dem Spruch: Gott schreibt auf krummen Zeilen gerade.

Gott wirkt nicht in einer religiösen Sondersphäre, sondern er wirkt mit der Wirklichkeit der Welt zusammen. Wenn wir das annehmen, dann fragen wir trotzdem: Was ist denn mit den Leuten, die auf dem Weg ins babylonische Exil gestorben sind oder deren Lebensbedingungen dadurch schlechter wurden? Was ist denn mit den Leuten, die in unserer Zeit das Gefühl haben, auf den krummen Zeilen des eigenen Lebens immer weiter in den Abgrund zu rutschen?

Gottes Wirken ist offensichtlich keine Erklärung für Alles und Jedes, keine billige Vertröstung, keine Vollkaskoversicherung. Es ist die Erfahrung, dass im Leben doch noch vieles gut werden kann, auch wenn es lange Zeit nicht so ausgesehen hat. Dass Heilung und Versöhnung möglich ist und dass es bei Gott keine hoffnungslosen Fälle gibt. Wenn wir schon nicht mehr die Kraft haben zu hoffen, dann kann er noch für uns weiterhoffen – und vielleicht auf eine für uns unwahrscheinliche Weise versuchen, das Blatt zu wenden.

Wir können uns dafür offen halten, dass Gott auch uns brauchen kann, um seine Heilsgeschichte weiterzuschreiben – in genau diese Menschheitsgeschichte hinein, die uns grade so unheil erscheint. Wir brauchen dafür nicht regungslos auf Gottes Eingreifen zu warten, sondern das Eigene dazu tun. Im alltäglichen Handeln, im Organisieren und dicke Bretter bohren, im Zuhören und Beten. Wir sind Mitarbeiter:innen Gottes – auf sehr offensichtliche Weise oder auch in Zusammenhängen, von denen wir unser ganzes Leben lang nicht erfahren werden, was wir eigentlich gewirkt haben.

Maria Schwarz, Pastoralreferentin