15. Sonntag im Jahreskreis

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Aktuelle Informationen aus dem Seelsorgebereich Deutz/Poll

15. Sonntag im Jahreskreis
11./12.07.2026
1. Les: Jes 55,10-11
2. Les: Röm 8,18-23
Ev: Mt 13,1-23

Das Stöhnen der Kreatur (Röm 8,18-23) hörbar machen

Vor mir eine Karikatur: Zwei Hühner stehen auf einem Hügel vor einem umzäunten Campingplatz, auf dem sich Campingwagen und Zelte dicht an dicht drängen. Sagt das eine Huhn zum anderen: „Das ist Menschenquälerei!“ Hühner – mitfühlend, solidarisch mit der menschlichen Kreatur. Wie viele Menschen in den Wohnsilos und Slums der Weltstädte oder in den Flüchtlingslagern leben so menschenunwürdig – wie Hühner! Aus ethischen Gründen ist dem Mitgeschöpf Huhn eine größere Mobilität, ein artgerechtes Platzangebot zuzubilligen – und alles zu tun, dass Menschen menschenwürdig leben können. Alle Umweltinitiativen haben im gesamten Neuen Testament kein Wort so sehr auf ihrer Seite wie den zweiten Lesungstext dieses Sonntags.

Paulus hört etwas, was im Lärm dieser Welt untergeht: das Stöhnen der Schöpfung. Er hält der ansonsten überhörten Kreatur das Mikrophon, den Verstärker hin. Sind wir hellhörig und wahrnehmungsfähig? Wird mir der Heilige Geist die Ohren ausspülen für das Klagelied der Kreatur? Nicht nur wir Menschen sind erlösungsbedürftig. Es gibt keine Alleinrettung des Menschen ohne seine Mitschöpfung. Paulus wird so ungewollt zum tiefschürfenden Umweltschützer; er hört das Gras wachsen, er hört die Kreatur im Schmerz schreien, auch im Gegacker der Hühner das Hohelied der erlösungsbedürftigen Schöpfung in Dur und Moll, zwischen Stöhnen und Hoffen, Trauer und Geduld. Diese Urlaubswochen verleihen uns hoffentlich gespitzte Ohren, damit wir im Wispern und Rauschen, im Gezwitscher, Geschrei und Gestöhne die fremdgewordenen Geräusche der Geschöpfe wahrnehmen. Wir können die Schöpfung, so gut es geht, bewahren, aber nicht retten. An uns liegt es, die Mitgeschöpfe spüren zu lassen, dass auch ihnen Erlösung verheißen ist. Und darum ist der Tierschutz, der Einsatz für das eingepferchte Huhn, ein Testfall der Menschenwürde und unserer Menschlichkeit, wie der verstorbene Philosoph Robert Spaemann in Erinnerung rief.

Pfarrer Dr. Andreas Mersch